Warum wir unsere persönliche Finanzplanung jetzt aber wirklich angehen sollten.

Sich endlich um seinen persönlichen Finanzplan zu kümmern, ist ein beliebter Neujahrsvorsatz. Doch fast immer bleibt es nur beim guten Vorsatz. Weil dieses Thema aber viel zu wichtig ist, haben wir hier alles, was Sie brauchen, um Ihre finanzielle Jahresplanung auch wirklich umzusetzen. In unserer einfachen Schritt-für-Schritt-Anleitung haben wir alles für Sie zusammengefasst. Und zwar vom Haushaltsbuch, übers Monatsbudget, bis hin zur finanziellen Vorsorge. Also fangen wir an!

Ist es wirklich nötig finanziell vorzuplanen?

Unerwartete Reparaturen am Auto, Ihr Kind überreicht Ihnen den Info-Zettel für den Schul-Schikurs und dann geht auch noch die Waschmaschine ein… Doch Sie bleiben cooler als James Bond. Denn all das kann Sie nicht erschüttern.

Eine herrliche Vorstellung! Aber wer schon zu Beginn des Jahres einen persönlichen Finanzplan schmiedet, kann wirklich dafür sorgen, dass einen solche Überraschungen nicht gleich aus der Bahn werfen.

Eine jährliche Finanzplanung bewahrt Sie aber nicht nur vor bösen Überraschungen, sondern verschafft auch das gute Gefühl einen Überblick zu behalten. Man weiß, wo man steht, und kann größere Ausgaben, wie einen Urlaub, besser planen. Aber vor allem kann man sich, wenn man ein strukturiertes Budget hat, Belohnungen auch wirklich gönnen, ohne ein schlechtes Gewissen dabei haben zu müssen. Das klingt doch schon mal sehr verlockend!

 

Der finanzielle Jahresplan ‒ Eine Schritt-für-Schritt Anleitung.

Schritt 1: Rückblick

(Disclaimer: Der erste und wohl unangenehmste Schritt. Hier trennt sich normalerweise die Spreu vom Weizen, äh…, der Vorsatz von der Umsetzung. Also, einfach durchbeißen! Es wird nach diesem Schritt viel lustiger. Versprochen!)

  • Analysieren Sie die Einnahmen und Ausgaben des Vorjahres. Am besten so detailliert wie möglich.
  • Bilden Sie Kategorien für Ihre Ausgaben. Hier ein paar Beispiele: Fixkosten, wie Miete, Versicherungen. Variable Kosten, wie Lebensmittel, Apothekenrechnungen, Freizeitkosten. Geplante Ausgaben, wie Urlaub, Jahreskarte, etc. Und ungeplante Ausgaben, wie eben die neue Waschmaschine.
  • Bilden Sie nun Kategorien für Ihre Einnahmen. Zum Beispiel regelmäßige, unregelmäßige und saisonale Einkünfte. Aber auch ungeplante Einkünfte (wie der Energiebonus) oder unsichere Einkünfte (wie ein nicht regelmäßig eingetroffener Unterhalt) können kategorisiert werden.
  • Identifizieren Sie nun finanzielle Stärken und Schwächen im vergangenen Jahr.
  • Schauen Sie, ob bestimmte Vorjahresziele (z. B. Sparziele) erreicht wurden.
  • Nehmen Sie diesen Rückblick nun als Grundlage für die kommende finanzielle Planung. Je nach persönlicher Situation hilft es auch manchmal ein Best-Case- und ein Worst-Case-Szenario durchzurechnen.

Schritt 2: Finanzielle Ziele setzen

  • Mögliche Ziele: Schuldentilgung, Aufbau eines Notgroschens, Steigerung der Sparquote, größere Anschaffungen, etc.
  • Definieren Sie Ihre Ziele für das neue Jahr so klar und realistisch wie möglich. Beschreiben Sie diese mit konkreten Zahlen oder genauen Vorstellungen. So können sie viel leichter erreicht werden. Schreiben Sie also statt „Sparquote steigern“ lieber „Steigerung der Sparquote auf 25 %“.
  • Fokussieren Sie sich bei der Jahresplanung auf die großen Dinge und verlieren Sie sich nicht in Kleinigkeiten.
  • Berücksichtigen Sie Wünsche und Visionen für die nächsten 12 Monate.
  • Überprüfen Sie, welche Ziele aus dem Vorjahr erneut angegangen werden sollen.
  • Priorisieren Sie nun Ihre Ziele nach Dringlichkeit.

Schritt 3: Finanzkalender erstellen

  • Nehmen Sie sich jeden Monat einzeln vor und planen Sie, welche Ausgaben und Einnahmen anfallen werden. Gehen Sie dabei chronologisch vor.
  • Identifizieren Sie größere Ausgaben. Zum Beispiel wird im März der Jahresbeitrag für Ihr Judo-Training fällig, im Juni heiratet eine Freundin und im Herbst wollen Sie unbedingt noch einmal ans Mittelmeer Sonne tanken. Und ja, Weihnachten kommt auch dieses Jahr wieder.
  • Legen Sie nun jeden Monat etwas für die größeren Ausgaben zur Seite. Vielleicht auf ein eigenes Unterkonto oder ganz oldschool in ein je Ausgabepunkt eigens beschriftetes Kuvert.
  • Prüfen Sie, ob sich alles gut ausgeht, oder ob irgendwo bedenkliche Engpässe entstehen. Überlegen Sie, wie diesen entgegengewirkt werden kann (z. B: an Freizeitaktivitäten sparen, Dinge ausmisten und verkaufen, Gehalt verhandeln, etc.).

Schritt 4: Das Monatsbudget erstellen

Cash-Stuffing, 6-Jars-Methode, Bottom-up oder Top-Down ‒ es gibt viele gute Wege, um sein Monatsbudget zu planen. Eine Methode, die besonders einfach umzusetzen ist, wollen wir Ihnen hier genauer vorstellen.

Die 50-30-20-Regel.

  • Miete

  • Strom/Gas

  • Verkehrsmittel

  • Versicherungen (für Gesundheitsversorgung, Auto oder Haustiere)

  • Grundnahrungsmittel

  • Mindestbeiträge für Kreditrückzahlungen (z. B. Auto, Immobilien)

  • Restaurantbesuche

  • Shopping

  • Urlaub

  • Abos (Netflix, Audible, Fitnessstudio)

  • Friseur

  • Lebensmittel (über das nötige hinaus)

  • Kontoüberziehungen

  • Konsumkredite

  • Auffüllen des Notgroschens

  • Sparen für längerfristige Ziele (z. B. neues Auto, Anzahlung für Immobilien)

  • Altersvorsorge

Um die Einhaltung des monatlichen Budgets zu kontrollieren, macht es Sinn, ein Haushaltsbuch über alle Ausgaben zu führen. Das klingt jetzt verstaubt und komplizierter als es wirklich ist. Mittlerweile können schon viele Online-Banking-Apps diese Aufgabe erfüllen oder erleichtern. Auch finden sich viele Haushaltsbuch-Apps oder gratis Excel-Vorlagen im Netz (wie z. B. die Finanzguru App oder Goodbudget.com).

Schritt 5: Planung finanzieller Reserven

Oder besser gesagt: Was machen wir jetzt genau mit den 20 %, die wir monatlich zur Seite legen?

  1. Als aller, aller, aller erstes sparen wir uns einen Notgroschen an. Dieser sollte mindestens 3, besser noch 6 Monatseinnahmen entsprechen. Er ist dazu da mit unvorhersehbaren Kosten fertig zu werden (siehe Waschmaschine) oder eine plötzliche Arbeitslosigkeit abzufedern. Den Notgroschen parken wir am besten auf ein extra Tagesgeldkonto, damit es nicht einfach zu plündern, aber im Ernstfall schnell zu haben ist.
  2. Im nächsten Schritt schauen wir uns die Schulden an. Im Allgemeinen gilt: Die Kredite mit dem höchsten Zinssatz sollten als erstes getilgt werden.
  3. Juhuu! Jetzt können wir sparen! Zunächst schreiben wir auf, wofür wir sparen wollen. Eine Weltreise? Ein Eigenheim? Eine neue Couch? Neue Ski? Wenn wir wissen, dass wir dieses Geld ein paar Jahre nicht brauchen werden, können wir es auf ein extra Festgeldkonto überweisen.
  4. Ab jetzt können wir für unsere Altersvorsorge oder besser gesagt, alles ab 10 Jahre plus sparen. Für solch längere Zeiträume zahlt es sich nun aus, sein Geld zu investieren, damit es nicht von der Inflation aufgefressen wird. Ob das über Versicherungen, Fonds oder einer Kombination daraus geschehen soll, ist natürlich sehr individuell (Sie können sich zu diesem Thema auch unsere Story zum Thema Zukunftsvorsorge ansehen.). Investieren birgt auch immer ein gewisses Risiko. Informieren Sie sich auf jeden Fall gut über alle Möglichkeiten der Altersvorsorge und vergleichen Sie mehrere Produktangebote.

Je nach persönlicher Situation können Sie diese Punkte nacheinander oder auch gleichzeitig angehen. Es macht beispielsweise häufig Sinn monatlich einen gewissen Betrag für die Schuldendeckung zu verwenden und ebenso einen Betrag in die eigene Altersvorsorge zu investieren.

Schritt 6: Optimierung bestehender Verträge

  • Zeit für den Neujahrsputz! Welche Abos, Verträge, Versicherungen brauchen Sie wirklich?
  • Gibt es günstigere Alternativen für TV, Handy, Strom, Gas, Internet und Co.?
  • Sind alle Versicherungen auf dem neuesten Stand? Haben sich Ihre Lebensumstände geändert und passen die Deckungssummen für Haushalts- und Haftpflichtversicherung noch? Muss dem Versicherer etwas mitgeteilt werden (z. B. Schritt in die Selbstständigkeit)?